„Magenta“ Kritik

Heinz Wagner vom Kurier am 07.05.2019

Reise durch viele Gender-Welten

„Magenta“ – Kinder und Jugendliche brachten (auch) eigene Erfahrungen in die Szenen von (Un-)Gleichbehandlung ein.

Eine Reise durch verschiedene Welten mit unterschiedlichen Umgangsweisen der Geschlechter ist das knapp mehr als einstündige Stück „Magenta“. Gemeinsam mit den rund eineinhalb Dutzend Kindern und Jugendlichen auf der Bühne hat das Team der Werkstatt „Wildwuchs“ in vielen Improvisationen Szenen und Texte erarbeitet. Aus der anfänglichen Welt der Einheitsuniformen werden zwei ausgestoßen bzw. wollen selber raus, individueller sein. SeSe – umgedreht für EsEs, also weder männlich noch weiblich – werden sie nun als Außenseiter_innen zu Se-Mann und Se-Frau.

 

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Lange Diskussionen

„Wir haben mindestens eine halbe Stunde diskutiert, die die Wesen heißen sollen“, erzählen viele der jungen Schauspieler_innen dem Kinder-KURIER nach der Generalprobe. „Wir haben nach was gesucht, was nicht Mann oder Frau ist. Wir war ein Vorschlag. Ein anderer Siri…“

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Unterschiedliche Welten

Auf ihrer Reise erleben sie unter anderem eine Welt, in der Männer ganz unterdrückt als Mittelding zwischen Hund und Möbelstück gehalten werden, aber auch solche, wo Frauen nicht gerade gleichberechtigt sind. Nicht nur inhaltlich, sondern auch in Theaterformen variieren die Welten – von tänzerischen über Sprechtheater bis zu einer Quiz-Show mit rosa und blauen Bällen als Punkten für richtige Antwort spannt sich der Bogen.

 

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Eigene Erfahrungen

Die jungen Theatermacher_innen haben so manche eigenen Erfahrungen in die Improvisationen eingebracht. So schildert Anna, die die Außenseiterin spielt: „Ich hab im Kindergarten fast immer mit Buben gespielt. In der Volksschule haben die Mädchen mich dann dafür ausgelacht. Am Anfang schon viel ausgemacht und ich hab dann mit Buben nur heimlich gespielt. Aber dann war’s mir irgendwann egal.“

Zu Alltagserfahrungen, die sie eingebracht haben, gehören immer wieder auch, dass Buben mit langen Haaren für Mädchen und umgekehrt gehalten wurden/werden, beispielsweise Damiano bzw. Carolin. Mehrere der Mitwirkenden berichten, dass (noch immer) „Mädchen wie ein Schimpfwort verwendet wird, wenn sich wer was nicht so richtig traut.“

Moritz entschied sich, SeMann, den Außenseiter zu spielen, „weil’s eine Hauptrolle ist“. Wobei das Profi-Team der Werkstatt und des Stücks (Regie: Charly Vozenilek, Mental-Coach & Trainerin: Alina Julia Forstner, Hospitanz, Choreografie: Naima Rabinowich, Philosophische Begleitung: Max Glatz) Wert drauf legt, dass sich niemand in den Mittelpunkt drängt, alle gleichwertig behandelt werden.

Festival Zeitung:

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